HBKsaar goes Klingspor

Heute waren wir im Klingspormuseum in Offenbach. Aus unserem klein geplanten Halbtagsausflug, bzw. Besuch beim äußerst sympathischen Leiter des Hauses, Herrn Soltek ist eine ausgewachsene Exkursion mit Input für mindestens zwei Tage geworden. Tanja Huckenbeck und Peter Reichhardt von Typosition begleiteten uns ortskundig.

Gleich bei der Ankunft winkte uns überraschend Ulrike Stoltz entgegen, die mit einer Gruppe Mainzer Studierenden gerade halben Weges durch ihre Ausstellung führte: Translation – Arbeiten von usus Uta Schneider und Ulrike Stoltz. Wir hatten jedoch zuerst in der Bibliothek abgesprochen und konnten uns ihnen nicht direkt anschließen.

Frau Ehret erwartete uns mit einer Auswahl an Buchkunstperlen, die wir vorsichtig auch selbst durchstöbern durften. Einige Werke der Sammlung sind allerdings so rar und doch begehrt, dass sie durch das wiederholte Präsentieren ziemlich leiden. Das wunderbare russische Buch mit Illustrationen von Lissitzky durften wir aber trotzdem noch mal anschauen und Ludmilla rezitierte uns Stücke der kyrillischen Seemannsgedichte.

kleiner El Lissitzky

Um noch rechtzeitig vor Programmpunkt drei – der Präsentation von Drucken der Doves Press – Nummer zwei – die Ausstellung – zu schaffen, eilten wir wieder ins Erdgeschoss, wo uns Herr Soltek und Ulrike nun ausgiebig das Konzept der gezeigten Arbeiten erläuterten. Um 14 Uhr unterbrachen wir für »das Buch des Monats«, das ungefähr 15 rare Bücher der Kelmscott- und Doves-Press waren.

((Zu Beginn meines Studium stand ich ja mal total auf die Privatpressen-Bewegung, vor allem die Cranach-Presse von Harry Graf Kessler (wegen Weimar natürlich). Der verstand es, die besten Leute der anderen Privatpressen nach Weimar zu holen, so auch Emery Walker, der die Jenson-Antiqua der Cranach Presse für den Vergil entwarf und Edward Prince, der sie schnitt. Unser Herr aus Frankfurt, bzw. dem Gutenberg-Museums (ich habe seine Vorstellung nicht ganz mitbekommen) meinte zwar, dass sie von Edward Johnston entworfen wurde. Meines Wissens nach hat der aber die Schrift für den Hamlet der Cranachpresse gestaltet.

Das Buch habe ich mal in einer von Otto Dorfner knallrot ledergebundenen Pergamentausgabe ehrfürchtig in der Sammlung Haar der Anna-Amalia (Außenstelle Schloss, Gott sei Dank) studiert und berichtete Fred Smeijers davon. Dieser kanzelte – fast empört über meine Begeisterung – die Privat-Pressen als elitären Scheiss ab. Bücher sollten demokratisch sein und nicht nur für eine kleine stinkreiche Minderheit. Unsere Aufgabe bestehe darin, auch billige Bücher schön und gut zu machen. Ja, da hatte er ein bisschen Recht, zumindest im 2. Teil.))

Aber zurück in der Gegenwart schauten wir danach noch die Ausstellung weiter an, Urlike berichtet anekdotenreich von Ihrem Boot-Book-Projekt. Frank schlug vor, dass sie auch immer mal drei Bücher verbrennen sollten … (okay, hier fehlt jetzt ganz viel Mittelteil ;-)
Wir brauchten eine Pause und folgten Typosition in das Bistro gegenüber auf Äppler und Essen.

Zu guter Letzt machten wir uns noch auf zum Rundgang der HfG Offenbach. Ludmilla stieß glücklicher Weise auf einen alten Bekannten, der uns ein bisschen rum führte. Erst durch die Gänge Richtung Friedrich Friedls Abteilung, dann noch in die Aula zu den Arbeiten der Studenten von Klaus Hesse. Schöne Sachen dabei, hip, crisp, inspirierend – aber wir waren bereits ganz schön geschafft. Und man sah schon ein bisschen, wes Lehrers Kind die Arbeiten waren.

Geplättet von so viel Input innerhalb von 6 Stunden müssen wir auf alle Fälle wieder kommen. Gerade den Kontakt zum Museum und seinem herzerwärmenden Leiter sollten wir unbedingt intensivieren und regelmäßig besuchen. Ich fülle jetzt mal die Anmeldung zum Förderverein aus.

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