Blogs sind out, social networks rule.
Immer weniger schaffe ich es, lange Blogeinträge zu lesen, geschweige denn welche zu schreiben. Selbst die Abkürzung über feeds erscheint mir inzwischen nur Intercity statt Regionalexpress. Ich liebe Schnellfahrstrecke! Neulich auf der Fahrt zwischen Frankfurt und Köln bin ich eingeknickt und habe mich bei twitter angemeldet.
Mikrobloggen besteht zwar zu 90% aus dem Versenden von links zu Fundstücken und Bildern oder längeren Einträgen im Netz (so viel zum Kurzfassen in 140 Zeichen). Aber vor allem die weltweite Type+Design-Gemeinde ist so gut vernetzt, dass man sich quasi genötigt fühlt, Schritt zu halten. So bekommt man von Yves Peters vom fontfeed oder Johno von ilt bereits gesteckt, dass ein neuer Artikel in der pipeline ist, wenn sie gerade noch daran schreiben; Reiserouten und .webfont propsals können verfolgt, Politik, Unglücke, Banales und Kurioses kommentiert werden (wobei die Kommunikation trotz Antwortfunktion eher einseitig ist); kleine apps poppen auf und wieder zu, wenn eine neue Nachricht von meinen abonnierten Schreibern abgesetzt wurde.
Das verwöhnt wie ICE-fahren, irgendwann mag man nicht mehr langsamer unterwegs sein.
Meine facebook-Seite hat die Reisepläne in diesem Blog hier inzwischen ein bisschen abgelöst. Von unterwegs kann man dort aktualisieren, was man gerade macht; in Fotoalben mit reichlich Platz Bilder hoch laden oder links von Filmchen und Musik posten; die Tätigkeiten meiner Freunde lieben oder kommentieren und sie wissen lassen, dass ich gerne Doris Day und Morrissey höre. Wie früher im Poesie-Album.
Einige kleine plug-ins lassen facebook zu einer Art Meta-Netzwerk werden, sonst wird man der Fülle der spezialisierten website schon gar nicht mehr her.
Dies ist auch der Ansatz von Plaxo. Vor ein, zwei Jahren als recht simples online-Adressbuch gestartet hatte ich mich da mal angemeldet, aber die sync-Funktion hat nie gut geklappt. Neulich schaue ich nach langer Zeit mal wieder drauf und war erschreckt, dass dort all meine flickr-uploads, und andere Nachrichten automatisch gepostet werden und meine Seite selbst bespammen. Und was man nicht alles einbinden kann in die Seite, delicious-bookmarks, lastfm-charts, youtube-channels …
Wie schafft man es eigentlich, diese ganzen websites unter Kontrolle zu behalten?
Für jedes Medium hat sich ein pool von konkurrierenden Webseiten entwickelt, die ein neuer typus von Seiten nun versucht, wieder zusammen zu fassen.
Im Gegensatz zu facebook sind twitter-Nachrichten standardmässig erst mal nicht geschützt, sondern stehen der Welt offen (wie das bei plaxo ist, habe ich gerade vergessen). Über die Auswirkungen, dass jeder lesen kann, was ich auf dem letzten Flohmarkt gekauft habe, möchte ich grade gar nicht nachdenken. Eigentlich nutze ich all die diversen Kanäle eher beruflich. Die Grenzen zwischen type und privat waren bei mir jedoch schon immer ziemlich unscharf.
Was für mich völlig an Bedeutung verloren hat ist xing, als openBC in Deutschland die Mutter aller business/social/networks. Fünf Jahre bin ich da jetzt angemeldet. Aber das, was ich besonders an den Netzwerken schätze, nämlich mit Freunden am anderen Ende der Welt oder des Rheins in Kontakt zu bleiben, ermöglicht das internationalere linkedin eben doch etwas besser. Auch auf den Zug der facebook/twitter-Frage »was machst Du gerade?« – die Statusmeldung – sind beide eher spät aufgesprungen.
Blogs werden meiner Meinung nach mehr die Rolle der Wochenzeitung übernehmen, in der man Themen vertiefter darstellen und diskutieren kann. twitter liefert die Schlagzeilen und facebook den Boulevard-Teil, mit feuilletonistischen Einsprenkseln von flickr, youtube und ilike, bzw. lastfm.
Und was mache ich jetzt mit dieser Seite hier? Wahrscheinlich eher sporadisch was schreiben, wenn mir was sinniges auf einer langen Zugfahrt einfällt. type-related Unsinn erscheint auf »100% typolyester« (diese tolle Seite muss am Leben gehalten werden!)
Moderne Vistitenkarten lesen sich irgendwann dann mal so:
/kupfers
* Indra Kupferschmid ist Typografin, Autorin und Professorin für Typografie und Kommunikationsdesign an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Hier sammeln sich Fundstücke und Texte der letzten Jahre.
Paralleluniversen
Blogs sind out, social networks rule.
Immer weniger schaffe ich es, lange Blogeinträge zu lesen, geschweige denn welche zu schreiben. Selbst die Abkürzung über feeds erscheint mir inzwischen nur Intercity statt Regionalexpress. Ich liebe Schnellfahrstrecke! Neulich auf der Fahrt zwischen Frankfurt und Köln bin ich eingeknickt und habe mich bei twitter angemeldet.
Mikrobloggen besteht zwar zu 90% aus dem Versenden von links zu Fundstücken und Bildern oder längeren Einträgen im Netz (so viel zum Kurzfassen in 140 Zeichen). Aber vor allem die weltweite Type+Design-Gemeinde ist so gut vernetzt, dass man sich quasi genötigt fühlt, Schritt zu halten. So bekommt man von Yves Peters vom fontfeed oder Johno von ilt bereits gesteckt, dass ein neuer Artikel in der pipeline ist, wenn sie gerade noch daran schreiben; Reiserouten und .webfont propsals können verfolgt, Politik, Unglücke, Banales und Kurioses kommentiert werden (wobei die Kommunikation trotz Antwortfunktion eher einseitig ist); kleine apps poppen auf und wieder zu, wenn eine neue Nachricht von meinen abonnierten Schreibern abgesetzt wurde.
Das verwöhnt wie ICE-fahren, irgendwann mag man nicht mehr langsamer unterwegs sein.
Meine facebook-Seite hat die Reisepläne in diesem Blog hier inzwischen ein bisschen abgelöst. Von unterwegs kann man dort aktualisieren, was man gerade macht; in Fotoalben mit reichlich Platz Bilder hoch laden oder links von Filmchen und Musik posten; die Tätigkeiten meiner Freunde lieben oder kommentieren und sie wissen lassen, dass ich gerne Doris Day und Morrissey höre. Wie früher im Poesie-Album.
Einige kleine plug-ins lassen facebook zu einer Art Meta-Netzwerk werden, sonst wird man der Fülle der spezialisierten website schon gar nicht mehr her.
Dies ist auch der Ansatz von Plaxo. Vor ein, zwei Jahren als recht simples online-Adressbuch gestartet hatte ich mich da mal angemeldet, aber die sync-Funktion hat nie gut geklappt. Neulich schaue ich nach langer Zeit mal wieder drauf und war erschreckt, dass dort all meine flickr-uploads, und andere Nachrichten automatisch gepostet werden und meine Seite selbst bespammen. Und was man nicht alles einbinden kann in die Seite, delicious-bookmarks, lastfm-charts, youtube-channels …
Wie schafft man es eigentlich, diese ganzen websites unter Kontrolle zu behalten?
Für jedes Medium hat sich ein pool von konkurrierenden Webseiten entwickelt, die ein neuer typus von Seiten nun versucht, wieder zusammen zu fassen.
Im Gegensatz zu facebook sind twitter-Nachrichten standardmässig erst mal nicht geschützt, sondern stehen der Welt offen (wie das bei plaxo ist, habe ich gerade vergessen). Über die Auswirkungen, dass jeder lesen kann, was ich auf dem letzten Flohmarkt gekauft habe, möchte ich grade gar nicht nachdenken. Eigentlich nutze ich all die diversen Kanäle eher beruflich. Die Grenzen zwischen type und privat waren bei mir jedoch schon immer ziemlich unscharf.
Was für mich völlig an Bedeutung verloren hat ist xing, als openBC in Deutschland die Mutter aller business/social/networks. Fünf Jahre bin ich da jetzt angemeldet. Aber das, was ich besonders an den Netzwerken schätze, nämlich mit Freunden am anderen Ende der Welt oder des Rheins in Kontakt zu bleiben, ermöglicht das internationalere linkedin eben doch etwas besser. Auch auf den Zug der facebook/twitter-Frage »was machst Du gerade?« – die Statusmeldung – sind beide eher spät aufgesprungen.
Blogs werden meiner Meinung nach mehr die Rolle der Wochenzeitung übernehmen, in der man Themen vertiefter darstellen und diskutieren kann. twitter liefert die Schlagzeilen und facebook den Boulevard-Teil, mit feuilletonistischen Einsprenkseln von flickr, youtube und ilike, bzw. lastfm.
Und was mache ich jetzt mit dieser Seite hier? Wahrscheinlich eher sporadisch was schreiben, wenn mir was sinniges auf einer langen Zugfahrt einfällt. type-related Unsinn erscheint auf »100% typolyester« (diese tolle Seite muss am Leben gehalten werden!)
Moderne Vistitenkarten lesen sich irgendwann dann mal so:
/kupfers